Ein Codierstandard soll die Qualität des Code, insbesondere seine Leserlichkeit und Effizienz, verbessern und so vor allem die Modularisierungs-, Test- und Wartungsbemühungen unterstützen. Die folgenden Faustregeln erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und sind allgemein. Sie werden die Regeln deshalb an Ihre Entwicklungsumgebung, insbesondere an die verwendete Programmiersprache, anpassen müssen.
Über die Vor- und Nachteile formale Benennungskonventionen lässt sich streiten. Wichtig ist, dass die vergebenen Bezeichner gut leserlich sind und die Konvention von allen Entwicklern akzeptiert wird.
Verwende deutsche Namen, um benutzerdefinierte Namen von systemdefinierten abzugrenzen
Strebe nach Kürze, ohne die Leserlichkeit zu verschlechtern
Verwende selbsterklärende Namen
Sei so explizit wie möglich (Bsp. arithmetischesMittel statt Mittel)
Klassenbildende präfixe und
Postfices können die Verständlichkeit verbessern
(z.B. pub_ vor einem Public-Bezeichner)
Verwende standardisierte Abkürzungen (z.B. fmt für Format)
Füge Kommentare während der Entwicklung ein und nicht erst im Endprodukt
Führe Kommentare laufend nach (Kommentar und Code sollen sich entsprechen)
Leite umfangreiche Module (Unterprogramme) durch einen Modulkopf ein
Kommentiere grössere Codeänderungen
Kommentiere globale Variablen
Kommentiere das Ende einer unübersichtlichen Schleife
Verwende für kurze Bemerkungen Endzeilenkommentare
Codiere nicht vorschnell
Vermeide übergrosse Module
Verwende wenn möglich nur eine Zeile pro Anweisung
Halte den gleichen Einrückungsabstand ein (z.B. zwei Leerstellen)
Verwende Sprungbefehle wie goto und exit sparsam
Portabler Code lässt sich später - unabhängig von der aktuellen Anwendung - wieder verwenden.
Implementiere wenn möglich Klassenmodule
Beachten die Modularisierungsregeln
Benannte Konstanten verbessern die Leserlichkeit und erleichtern Programmanpassungen
Vermeide Abweichungen vom Sprachstandard (z.B. in SQL)
Isoliere und kommentiere nicht-portablen Code (z.B. compiler- oder umgebungsabhängigen Code)
Eine Entwicklungsumgebung kann die Wiederverwendung von Code durch ein Versionskontrollsystem (zum Beispiel MS Visual SourceSafe) und Codebibliotheken erleichtern. Ein Versionskontrollsystem speichert aufeinanderfolgende Codeversionen in einer Datenbank und unterstützt so die Integration von Code verschiedener Entwickler. Eine Codebibliothek lässt Sie Codefragmente wiederfinden, die andere Entwickler zur Wiederverwendung in einer Datenbank gespeichert haben (siehe auch Wiederverwendung von Code).
Vereinbare Variablen und benannte Konstanten explizit
Initialisiere immer explizit (auch wenn eine Variable automatisch auf 0 gesetzt wird)
Prüfe die Validität von Eingaben
Berücksichtige beim Vergleich reeller Variablen ihre beschränkte Genauigkeit
Verwende für einen Read-Only-Parameter einen by value-Aufruf
Verwende globale Variablen sparsam
Formatiere Fehlermeldungen konsistent
Zeige in Fehlermeldungen den Fehlerort an (z.B. den Prozedurnamen)
Unterscheide verschiedene Fehlerklassen
Gib Hinweise zur Fehlerbehebung
Versetze Dich in die Lage des Endbenutzers
Gib Hilfe kontextsensitiv
Lasse den Benutzer Voreinstellungen ändern
Bemühe Dich um Konsistenz
Opfere die Klarheit nicht der Effizienz
Optimiere mehrfach durchlaufene Programmteile (vor allem Schleifencode)
Speichere Ergebnisse komplexer Berechnungen
Ziehe - wenn möglich - ganzzahlige Variablen reellen vor
Entferne Anweisungen, die sich nicht ändern, aus Schleifen